{"id":37,"date":"2020-04-15T11:09:01","date_gmt":"2020-04-15T09:09:01","guid":{"rendered":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/?p=37"},"modified":"2020-04-15T11:09:15","modified_gmt":"2020-04-15T09:09:15","slug":"teil-2-rechtlose-und-falschmuenzer-im-reich-der-verknappung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/?p=37","title":{"rendered":"teil 2: rechtlose und falschm\u00fcnzer im reich der verknappung"},"content":{"rendered":"<p>alles wird verknappt: arbeit, zeit, sicherheit, boden, wasser. allgemein alle menschlichen und nat\u00fcrlichen quellen und vorr\u00e4te. da diese knapp gemacht werden entstehen die bed\u00fcrfnisse danach. z. b. das bed\u00fcrfnis nach sinnvoller, bezahlter arbeit oder nach sicherheit. wo es annerkannte grundbed\u00fcrfnisse gibt, k\u00f6nnen die dazugeh\u00f6rigen rechte eingefordert werden. die obrigkeit hat die tendenz die rechte in pflichten umzum\u00fcnzen: z. b. das recht auf arbeit zur arbeitspflicht, menschenrechte zu menschenpflichten, das recht auf sicherheit zur pflicht zum verteidigungsdienst. es regiert sich nat\u00fcrlich wesentlich einfacher, wenn man statt aufbegehrende und selbstbewusst rechte einfordernde menschen vor sich zu haben, den leuten von aussen pflichten auferlegen kann. diese nehmen handkehrum den charakter reiner zw\u00e4nge an, verinnerlichter oder auferlegter, doch pflichten t\u00f6nt viel sch\u00f6ner.<\/p>\n<p>die verknappung ist f\u00fcr die m\u00e4chtigen sehr vorteilhaft. sie ist zentraler bestandteil der machtaus\u00fcbung. die m\u00e4chtigen schaffen die verknappung. die obrigkeit kann sie ben\u00fctzen, indem sie einzelnen bed\u00fcrftigen privilegien gew\u00e4hrt, boden oder geld und kann sie so dankbar an sich binden. die kapitalisten sind ganz besonders an der verknappung interessiert. sie sind bestrebt m\u00f6glichst viel knapp zu machen. denn alles was knapp ist, kann wieder k\u00fcnstlich hergestellt und teuer den knapp gehaltenen verkauft werden. so k\u00f6nnen unz\u00e4hlige bed\u00fcrfnisse und die nachfrage nach g\u00fctern geschaffen werden. nehmen wir z. b. die sicherheit: hat man sie einmal knapp gemacht, k\u00f6nnen spezialisierte firmen und institutionen sicherheit produzieren und diese den leuten verkaufen.<\/p>\n<p>arbeit ist ein spezialfall. diese brauchen die kapitalisten, auf ihr gr\u00fcndet ihre herrschaft. da arbeit nur von menschlichen arbeitskr\u00e4ften geleistet werden kann, sind sie an einem \u00fcberfluss dieser arbeitskr\u00e4fte interessiert, um sie m\u00f6glichst leicht, also billig zu bekommen. die verknappung der bezahlten arbeit und die gew\u00e4hrung der bezahlten lohnarbeit ist ihr herrschaftsinstrument. durch den \u00fcberfluss der arbeitskr\u00e4fte sinkt deren wert, viele sind \u00fcberfl\u00fcssig, die kapitalisten verachten sie, obschon sie es sind, die sie erzeugen. die bezahlte arbeit oder die selbst\u00e4ndige erwerbsarbeit kann in vieler hinsicht sinnlos sein, sie dient lediglich der herstellung gewinnbringender produkte, wie sch\u00e4dlich und \u00fcberfl\u00fcssig diese auch immer sein m\u00f6gen, hauptsache sie lassen sich im reich der verknappung gewinnbringend absetzen.<\/p>\n<p>verknappung t\u00f6nt nat\u00fcrlich auch nicht so toll. deshalb hat man lieber von \u00fcberfluss geredet. \u00fcberflussgesellschaft. g\u00fcter in rauhen mengen, wohlstand, reichtum. jetzt kommt doch h\u00e4ufiger die kehrseite der medaille zur sprache: \u00fcberfluss an arbeitskr\u00e4ften, abfall, verschmutzung, zu hohe staatsausgaben. \u00fcberfluss an g\u00fctern also: stereoanlagen, autos, kopfwehpillen, kaffee, strassen usw. diese \u00fcbert\u00f6nen die verknappung, versuchen sie vergessen zu lassen. \u00fcber sie soll nicht geredet werden, denn sie ist das mittel um zu herrschen.<\/p>\n<p>wie produzieren die m\u00e4chtigen die verknappung? diese ist ja nicht von natur aus, da die natur die pure verschwendung ist. erstens durch aussperren: man nehme einen stacheldraht, hege ein m\u00f6glichst grosses gebiet ein und stelle sich in die mitte und behaupte: dies ist meins. durch diesen akt entsteht schon eine stattliche anzahl bed\u00fcrfnisse, da f\u00fcr die ausgesperrten vieles knapp geworden ist. f\u00fcr die leute im eingehegten gebiet &#8211; vielleicht konnten sich einige einkaufen &#8211; entsteht z. b. das sicherheitsbed\u00fcrfnis. zweitens durch isolieren: man nehme ein gruppe menschen und trenne sie in die individuen auf und sondere diese von einander ab. auf einen schlag wird sehr vieles knapp, eine wahre bed\u00fcrfnis-kaskade entsteht.<\/p>\n<p>moderne herrschaftsmethoden machen nat\u00fcrlich l\u00e4ngst nicht mehr halt vor dem scheinbar unteilbaren individuum. nein, man nehme es und trenne es auf und sondere die einzelnen teile voneinander ab. neue verknappung und bed\u00fcrfnisse sind geschaffen. z.b. m\u00e4nner, nur noch m\u00e4nner, v\u00e4ter, arbeiter, geber, sexmaschinen. frauen nur noch frauen, m\u00fctter, natur, empf\u00e4ngerinnen, objekte. dies geschieht vor allem, indem man mit sprache und bilder in das innerste der menschen vordringt.<br \/>\nweitere m\u00f6glichkeiten zu verknappen sind: verschmutzen, sparen, zug\u00e4nge beschr\u00e4nken.<\/p>\n<p>[ueber3|rechtlose]<br \/>\nist arbeit tats\u00e4chlich knapp? nein, es gibt sie in h\u00fclle und f\u00fclle, liegt \u00fcberall herum, begegnet auf schritt und tritt. nur zwei spezifische t\u00e4tigkeiten sind verknappt: die bezahlte oder nur angemessen bezahlte lohnarbeit und die selbst\u00e4ndige erwerbsarbeit. ausserdem werden durch aussperrung und isolation die m\u00f6glichkeiten der einzelnen oder gruppen gewisse t\u00e4tigkeiten und arbeiten auszuf\u00fchren stark begrenzt. diese tatsachen lassen das bed\u00fcrfnis nach arbeit entstehen. dabei geht es jedoch darum, die durch die oben erw\u00e4hnten verfahren hergestellte verknappung \u00fcberwinden und bed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen zu k\u00f6nnen. wenn es sich um sinnvolle und\/oder gut bezahlte lohnarbeit oder eintr\u00e4gliche arbeit handelt, kann dies durch diese t\u00e4tigkeiten direkt geschehen. im \u00fcbrigen wird einfach der lohn ben\u00f6tigt um sich zugang zu den verknappten g\u00fctern oder \u00fcberfl\u00fcssigen ersatzg\u00fctern erkaufen zu k\u00f6nnen. beim recht auf arbeit, reden wir eigentlich vom recht auf zugang zu den nat\u00fcrlichen und menschlichen quellen und vorr\u00e4ten. ausserdem von der frage der verteilung der gesellschaftlichen erzeugnisse. ansonsten umgibt uns die arbeit, wie die luft zum atmen, ja sie ist manchmal nicht einmal als arbeit erkennbar, da sie in die unterschiedlichsten t\u00e4tigkeiten zerf\u00e4llt, lebensnotwendige und \u00fcberfl\u00fcssige, sinnvolle und sinnlose. deshalb gibt es kein bed\u00fcrfnis nach arbeit und da kein bed\u00fcrfnis, auch kein recht auf arbeit.<\/p>\n<p>gibt es ein recht auf sicherheit wirklich? das bed\u00fcrfnis nach sicherheit, entsteht durch die von der macht produzierte unsicherheit. der mangel an sicherheit wird geschaffen durch die herrschaftsmethoden aussperren, isolieren und spalten des individuums.<br \/>\naussperren der besitzlosen (mittels milit\u00e4r, polizei, grenzwacht, justiz, verwaltung), beraubten und derjenigen ohne einkommen, ihre isolierung voneinander und das sch\u00fcren von \u00e4ngsten und ressentiments und das erwecken falscher hoffnungen und vorstellungen in ihnen. das bed\u00fcrfnis nach sicherheit ist vor allem das bed\u00fcrfnis der m\u00e4chtigen und der an der macht beteiligten. sie beanspruchen deshalb das recht auf sicherheit (und m\u00fcnzen es um, zur pflicht zum sicherheitsdienst, dieser gibt ihnen ersatzsicherheit, obwohl er gerade die unsicherheit mitbegr\u00fcndet). ohne das erzeugen von unsicherheit, w\u00fcrde es kein bed\u00fcrfnis nach sicherheit geben und kein recht auf sicherheit. ohne die herstellung der spezifischen unsicherheiten w\u00fcrde es nur die sicherheit\/unsicherheiten und risiken geben, die uns sowieso umgeben wie das wasser die fische. diese sind\/waren allt\u00e4glich.<\/p>\n<p>\u00e4hnlich verh\u00e4lt es sich mit dem sicherheitsdienstzwang, sprich milit\u00e4rdienst. im milit\u00e4r werden wir durch die dort herrschenden speziellen formen der entfremdung von uns selbst abgespalten. in uns entsteht das starke bed\u00fcrfnis unsere haut zu retten. wir verweigern. vielleicht gew\u00e4hrt uns die macht, wenn es ihr beliebt, als ersatz f\u00fcr den sicherheitsdienstzwang, eine allgemeine zwangsarbeit, sprich ziviler ersatzdienst, wenn wir gezwungen durch die strafandrohung ein gesuch stellen. es macht keinen sinn von einem recht auf verweigerung zu sprechen, beziehungsweise dieses recht zu fordern, bedeutet einfach die milit\u00e4rdienstpflicht abschaffen zu wollen. auch wenn die milit\u00e4rdienstplichtigen bedingungslos zwischen milit\u00e4rdienst und arbeitsdienst w\u00e4hlen k\u00f6nnten, k\u00f6nnten wir nicht von einem recht auf zivildienst sprechen. die milit\u00e4rdienstpflicht w\u00fcrde einfach zur allgemeinen zwangsarbeit\/dienstpflicht erweitert. wir k\u00f6nnten nur die form der unterdr\u00fcckung w\u00e4hlen. um vom recht auf zivildienst sprechen zu k\u00f6nnen, m\u00fcsste dieser freiwillig sein, ausserdem m\u00fcsste es ein entsprechendes bed\u00fcrfnis geben, also auch einen mangel an oder schwerer zugang zu diesbez\u00fcglichen arbeitsm\u00f6glichkeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>alles wird verknappt: arbeit, zeit, sicherheit, boden, wasser. allgemein alle menschlichen und nat\u00fcrlichen quellen und vorr\u00e4te. da diese knapp gemacht werden entstehen die bed\u00fcrfnisse danach. z. b. das bed\u00fcrfnis nach sinnvoller, bezahlter arbeit oder nach sicherheit. wo es annerkannte grundbed\u00fcrfnisse gibt, k\u00f6nnen die dazugeh\u00f6rigen rechte eingefordert werden. die obrigkeit hat die tendenz die rechte in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[],"class_list":["post-37","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-in-fremden-diensten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=37"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":38,"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/37\/revisions\/38"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=37"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=37"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/lit.erizoman.ch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=37"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}